
Auf den Spuren meiner Ahnen: persönliche Einblicke
Erneut schreibe ich über Ahnen- und Familienforschung. Da ich das Thema im letzten Blogartikel theoretisch behandelt habe, nehme ich Sie heute mit auf meine persönliche „Ahnenforschungsreise“.
Vielleicht lassen Sie sich durch meine Erfahrungen inspirieren, selbst auf Spurensuche zu gehen. Das würde mich freuen.
Im ersten Teil des Artikels berichte ich u. a.
- von meiner Motivation, auf diese Reise zu gehen
- mit welchen Quellen ich bislang gearbeitet habe
- und welche Erkenntnisse ich bereits gewonnen habe
Im zweiten Teil des Artikels erzähle ich
- eine kleine Geschichte, in der ein altes Medaillon eine wichtige Rolle spielt, da es mich zweien meiner Vorfahren und Vorfahrinnen nähergebracht hat.
Meine Motivation
Schon lange schlummerte in mir der Wunsch, meinen persönlichen Stammbaum zu gestalten. Um mir bildlich vor Augen zu führen, was ich ansonsten kaum zu begreifen vermag: dass ich ohne die vielen Menschen väterlicher- und mütterlicherseits, die vor mir gelebt haben, nicht wäre.
Ich wollte wissen, wer diese Menschen waren, woher sie kamen und somit auch, woher ich komme. Denn lange Zeit habe ich wenig über meine familiären Wurzeln gewusst, sie beinahe nicht gefühlt.
Das wurde mir erst deutlich bewusst, als ich vor ein paar Jahren begann, mich intensiv mit der Flüchtlingsbiografie meiner Mutter zu beschäftigen. Ich erfuhr immer mehr über ihre frühe Lebensgeschichte, ihre Herkunftsfamilie und über Pommern, woher sie stammt.
Parallel zu diesem Prozess wurde mir immer klarer, dass ich nicht nur die Familie und Ahnenlinie meiner Mutter kaum kannte, sondern beinahe ebenso wenig die meines Vaters.
Das hat sich inzwischen geändert. Denn seit ein paar Wochen bin ich auf der Suche nach meinen Vorfahren und Vorfahrinnen, um meinen persönlichen Stammbaum zu gestalten.
Meine Quellen
Meine Eltern haben uns, ihren Kindern, einen wahren Schatz an Privatarchivalien hinterlassen.
Da ich dieses kleine „Familienarchiv“ momentan hüte und bewahre, habe ich unmittelbaren Zugang dazu. Somit begann meine „Ahnenforschungsreise“ zuhause und nicht in einem Standesamt, einem Archiv oder auf einer genealogischen Plattform.
Ich war beinahe erstaunt, wie „leicht“ ich die wichtigsten persönlichen Daten meiner Vorfahren und Vorfahrinnen anhand der vorliegenden Quellen ermitteln konnte: z. T. bis in die sechste, sogar bis in die siebte Generation zurück. Sowohl väterlicher- als auch mütterlicherseits. Dabei habe ich nicht nur Namen und Lebensdaten, sondern in vielen Fällen auch Geburts- und Sterbeorte sowie Berufsbezeichnungen gefunden.
Meine Erkenntnisse
Obwohl ich noch am Anfang meiner persönlichen „Ahnenforschungsreise“ stehe, habe ich durch die bereits erhobenen Daten erste, z. T. erstaunliche Erkenntnisse gewonnen.
Erkenntnis Nr. 1
Beispielsweise überrascht mich, dass meine Ahnen und Ahninnen väterlicherseits nicht, wie ich bislang annahm, seit jeher aus Schleswig-Holstein stammten. Wie ich aufgrund meiner Nachforschungen nun weiß, lebten sie bis zu Beginn des 19. Jahrhunderts in Pommern. Genauso wie meine Vorfahren und Vorfahrinnen mütterlicherseits aus Pommern kamen.
Ich selbst bin in Nordrhein-Westfalen aufgewachsen. Seither bin ich viele Male umgezogen. Als ich im Mai 2025 erstmals Westpolen besuchte, fühlte ich mich dort direkt sehr wohl, beinahe so, als sei ich zuhause angekommen. Ein Gefühl, was mir bislang nicht vertraut war.
Heute frage ich mich, ob diese Vertrautheit damit zusammenhängt, dass der Großteil meiner Vorfahren und Vorfahrinnen über Jahrhunderte in Pommern, dem heutigen Westpolen, ansässig war.
Erkenntnis Nr. 2
Ebenso neu ist mir, dass meine Ahnen väterlicherseits nicht seit Generationen Schornsteinfeger, sondern, noch in Pommern lebend, Müller waren. Mütterlicherseits verdienten meine Vorfahren den Lebensunterhalt für ihre Familien als Schuhmacher. Eine Berufstradition, die ich bis in die Mitte des 18. Jahrhunderts zurückverfolgen konnte. Auch das habe ich bislang nicht gewusst.
Überhaupt war mir nicht klar gewesen, dass die meisten meiner Vorfahren ein Handwerk ausgeübt haben. Umso mehr freue ich mich, denn als Volkskundlerin und Museumswissenschaftlerin habe ich häufig und viel zum Thema Handwerk gearbeitet, sogar darin promoviert. Auf einmal erinnerte ich mich, dass ich vor vielen Jahren eine komplette Schuhmacherwerkstatt inventarisiert hatte!
Wieder bin ich erstaunt. Und auch ein wenig berührt, da ich mich über das Thema Handwerk vielen Menschen meiner Ahnenlinien nahe fühle. Wie gerne würde ich sie in ihren Werkstätten besuchen, mit ihnen sprechen, in ihre Lebens- und Arbeitswelten eintauchen, um mehr über sie zu erfahren.
Erkenntnis Nr. 3
Vereinzelt entdeckte ich bei der Durchsicht der vielen privaten Archivalien spannende, schmerzliche und berührende Informationen über Menschen, über die in unserer Familie schon lange nicht mehr gesprochen oder an die sich schon lange nicht mehr erinnert wurde. So, als hätten sie niemals gelebt. Trotzdem sie das Leben ihrer Nachkommen aufgrund ihrer Entscheidungen und ihres Handelns entscheidend geprägt haben.
Mir wurde bewusst, wie schnell und beinahe unmerklich ein Menschenleben vergessen ist.
Erkenntnis Nr. 4
Dank der vielen ermittelten familiären Daten ist mein persönlicher Stammbaum inzwischen gewachsen. Es tat mir gut, die Vor- und Nachnamen, die Geburts-, Hochzeits- und Sterbedaten meiner Eltern, Großeltern, Urgroßeltern, Ururgroßeltern usw. darin einzutragen.
Obwohl ich die Lebensgeschichten der meisten meiner Vorfahren und Vorfahrinnen nicht kennengelernt habe, war es ein wichtiger Prozess für mich. Gedachte ich doch so den vielen Menschen, die vor mir waren. Ich fühlte, dass hinter jedem Namen ein Menschenleben steht, und dankte dem Leben selbst für unser Sein.
Puzzlesteile fügen sich zusammen
Weiterhin bin ich auf den Spuren meiner Ahnen und Ahninnen unterwegs. Langsam entsteht ein Bild. Ähnlich einem Puzzle.
Dabei stellen Daten und Fakten grundlegende Puzzleteilchen dar. Weitere Puzzleteilchen kommen hinzu, die dem Bild Tiefe geben. Es lebendig machen. Etwa in Form eines Familienerbstücks. Das Erstaunliche ist, dass sich dessen Geschichte mir erst kürzlich auf meiner „Ahnenforschungsreise“ offenbarte.
Eine kleine Geschichte
Als kleines Mädchen liebte ich es, zusammen mit meiner Mutter in ihren rotledernen Schmuckkasten zu schauen. Behutsam durfte ich ein Schmuckstück nach dem anderen herausnehmen und vorsichtig in meinen Händen halten.
Ein Schmuckstück voller Erinnerungen
Ein Stück faszinierte mich besonders: ein vergoldetes, fein verziertes, ovales Medaillon, das an einer dünnen Kette hing.
Ein mir fremder Mann, eine mir unbekannte Frau
Wenn ich das Medaillon behutsam öffnete, blickte ich auf zwei vergilbte Schwarz-Weiß-Fotografien. Ich erkannte darauf die Porträts eines Mannes und einer Frau. Beide wirkten sehr ernst und trugen altmodische, strenge Kleidung.
Meine mir unbekannten Urgroßeltern
Meine Mutter erzählte mir, dass dies die Eltern ihrer Mutter seien, also ihre Großeltern und meine Urgroßeltern. Obwohl ich damals nicht begriff, dass diese beiden Menschen meine Vorfahren waren, fühlte sich ein kleiner Teil von mir zu ihnen hingezogen.
Ein Versprechen
Bereits damals versprach mir meine Mutter, dass ich dieses Medaillon irgendwann von ihr vererbt bekommen würde. So wie sie es von ihrer Mutter geerbt hatte.
Ein Erbstück
Vor ein paar Jahren ist meine Mutter verstorben. Ihr Versprechen ist Wirklichkeit geworden. Dankbar habe ich das alte Medaillon in Erinnerung an unsere kleine gemeinsame Geschichte in meinen Schmuckkasten gelegt.
Die Geschichte ist noch nicht zu Ende
Erst kürzlich habe ich das Medaillon zum ersten Mal getragen. Ohne darüber nachzudenken, legte ich es, einem inneren Impuls folgend, morgens an. Es fühlte sich gut an.
Friedrich und Mathilde …
Abends, als ich das Medaillon abgelegt hatte, öffnete ich es vorsichtig. Wieder blickte ich auf die beiden Fotografien. In diesem Moment sah ich in dem abgebildeten Paar jedoch nicht mehr die entfernten, mir fremden Vorfahren, sondern erkannte in ihnen, meiner Recherchen sei Dank, Friedrich und Mathilde.
Zwei junge Menschen in ihren Zwanzigern. Beide sind in dem kleinen pommerschen Städtchen Jastrow geboren und aufgewachsen. Beide stammten aus alteingesessenen Schuhmacherfamilien. Wie seine Vorväter ist auch Friedrich Schuhmachermeister geworden.
Er und seine Braut Mathilde blieben jedoch nicht in ihrer Heimatstadt, sondern gingen in das 28 Kilometer entfernte Schneidemühl. Hier heirateten sie 1889 und eröffneten eine Schuhmacherwerkstatt mit angegliedertem Schuhfachgeschäft.
… und ihre Nachkommen
Damals wussten sie noch nicht, dass sie zwei Kinder, sechs Enkelkinder und acht Urenkelkinder bekommen würden. Sie wussten nicht, dass keiner ihrer Nachkommen in Pommern bleiben würde, sondern dass diese weiter westlich zogen und heute in unterschiedlichsten Berufen und Lebensformen in der ganzen Welt zu Hause sind.
Ich verlor mich in Gedanken darüber, dass sich in jedem Menschenleben Zeitgeschichtliches widerspiegelt, das ihn oder sie geprägt hat.
Auf Spurensuche in Pommern
Und ich dachte daran, dass ich im Mai Jastrowie (ehemals „Jastrow“) und Piła (ehemals „Schneidemühl“) besucht hatte, als ich in Westpolen auf der Suche nach meinen familiären Wurzeln unterwegs gewesen war. Also genau dort, wo Friedrich und Mathilde, meine Urgroßeltern, gelebt hatten.
Einander nahekommen
Ein altes Medaillon, das ich Jahrzehnte später in meinen Händen hielt, bewahrt ihre Fotos auf. Erneut schaute ich Friedrich und Mathilde an und freute mich, dass sie mir in diesem Augenblick sehr nahe waren.
Mein Weg geht weiter
Im letzten Herbst habe ich an dem Kurs von
- Eva Helms, „Die verborgenen Schätze deiner Ahninnen“
teilgenommen. Im Laufe des Kurses habe ich weitere Puzzlesteinchen entdecken dürfen, die das Bild meiner Vorfahren und Vorfahrinnen immer bunter strahlen lassen.
Meine nächsten Schritte werden mich in die Archive führen. Schon heute freue ich mich darauf, die dortigen Archivalien einzusehen, um die Spuren meiner Vorfahren und Vorfahrinnen noch weiter zurückzuverfolgen.
Kurz gesagt: Einmal auf dem Weg, geht meine Spurensuche weiter.
Begleiterin auf Ihrem Weg
So einzigartig wie wir Menschen sind, so einzigartig sind unsere „Ahnen- und Familienforschungsreisen“.
Falls Sie Ihren Weg nicht allein gehen möchten, begleite ich Sie gerne als Lebensarchivarin, indem ich
- Ihre privaten Dokumente archiviere
- die für Sie wichtigen Archivalien aus dem Kurrent und dem Sütterlin übersetze
- Ihre ermittelten Daten in einem individuellen „Lebensbuch“ für Sie festhalte und bewahre.
Sprechen Sie mich gerne an. Ich freue mich, von Ihnen zu hören.
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