Von Lebenserinnerungen bis Archivalien. Begriffe einfach erklärt.

Theorie kann spannend und sehr interessant sein! In diesem Blogartikel geht es um Begriffe, die für mich als Lebensarchivarin selbstverständlich sind – und die ich im Austausch mit Kunden und Kundinnen immer wieder nutze. Dann, wenn ich sie auf ihrer familiären Spurensuche begleite.

Was aber genau meine ich,

  • wenn ich von Erinnerungen, Lebenserinnerungen und Lebensgeschichte spreche?
  • Oder von Dokumenten, Archivalien und privaten Archivalien?

Die feinen Unterschiede dieser Begriffe und ihrer Bedeutungen erkläre ich nachfolgend.

Und was ist es nun genau?

Nicht regelmäßig, aber immer wieder, bitten mich Kunden und Kundinnen, die schriftlich festgehaltenen Erinnerungen eines verstorbenen Familienmitglieds aus dem Kurrent oder dem Sütterlin zu „übersetzten“.

Bei genauerem Hinschauen stelle ich dann fest, dass es sich bei den alten Aufzeichnungen

  • meist um Lebenserinnerungen handelt.
  • In seltenen Fällen sind Lebensgeschichten dabei.

Die drei Begriffe: Erinnerungen, Lebenserinnerungen und Lebensgeschichte sind nah verwandt und doch unterscheiden sie sich voneinander.

Erinnerungen

Erinnerungen sind, allgemein gesprochen, innere Bilder oder gespeicherte Eindrücke an zurückliegende Erlebnisse und Erfahrungen. Sie sind z. T. mit starken Gefühlen verbunden.

Erinnerungen sind stets subjektiv. Mit der Zeit können sie verblassen oder sich sogar verändern.

Lebenserinnerungen

Eine besondere Art der Erinnerungen sind die Lebenserinnerungen. Wie der Name sagt, erzählen sie sie konkret vom eigenen Leben.

Oftmals handeln sie von einzelnen Lebensabschnitten (z. B. Kindheit, Jugend). Manchmal beziehen sie sich auf bestimmte Begegnungen oder bedeutende Erlebnisse, die einen Menschen berührt oder herausgefordert haben. Daher sind sie häufig emotional geprägt.

Die Wiedergabe der Lebenserinnerungen erfolgt typischerweise eher unstrukturiert und fragmentarisch.

Lebensgeschichte

Die Lebensgeschichte ist eine klar strukturierte Darstellung. Dabei konzentriert sie sich auf den chronologischen Ablauf des gesamten Lebensweges und wichtiger Lebensstationen einer Person. Daten und Fakten erklären Zusammenhänge.

Eine Lebensgeschichte gibt entweder die Person selbst oder eine andere Person wieder.

Mündlich oder schriftlich?

Die einen erzählen ihre Lebenserinnerungen im direkten Gespräch. Die anderen schreiben sie gerne auf. Anders verhält es sich bei der Lebensgeschichte, die die Betreffenden bevorzugt schriftlich wiedergeben.

Wer erzählt?

Nicht nur Prominente, sondern ganz „normale“ Menschen berichten auf die ein oder andere Weise aus ihrem Leben.

Dabei bin ich erstaunt, wie groß die Gruppe der ganz „normalen“ Menschen ist. Menschen wie Sie und ich, die damals wie heute ihre Lebenserinnerungen oder ihre Lebensgeschichte festgehalten haben bzw. festhalten.

Aus welchem Anlass?

Sowohl Erzählen als auch Schreiben der persönlichen Lebenserinnerungen oder der eigenen Lebensgeschichte ermöglicht, das eigene Leben Revue passieren zu lassen. Dieser Prozess lädt zudem dazu ein, das erinnerte Erleben zu reflektieren.

Darüber hinaus geht es manchmal darum, schwere Schicksalsschläge oder Traumata (z. B. im Krieg oder auf der Flucht erfahren) aufzuarbeiten.

Vielleicht ist der 70. oder 80. Geburtstag Anlass, nicht nur für sich selbst auf das eigene Leben zurückzublicken und das Erinnerte aufzuschreiben. Sondern auch, um ein Andenken und ein besonderes Geschenk für die Kinder und Kindeskinder zu schaffen.

Ein kostbares Stück niedergeschriebenes Leben

Möglicherweise gibt es in Ihrer Familie solch ein Schriftstück. Unabhängig davon, ob es in einer alten deutschen Handschrift oder digital am Computer verfasst ist, es ist ein besonderes Dokument, dass Sie gut bewahren und aufbewahren sollten. Insbesondere dann, wenn Sie tiefer in Ihre Familiengeschichte eintauchen wollen.

Von Dokumenten und Archivalien

Als Lebensarchivarin arbeite ich beinahe täglich mit Dokumenten und Archivalien. Oftmals handelt es sich bei den Archivalien um sogenannte private Archivalien. Gerne erkläre ich hier, wo die Unterschiede liegen.

Dokument

Ein Dokument ist ein schriftlicher, bildlicher oder elektronischer Beleg. Er enthält Informationen.

Beispielsweise handelt es sich bei Verträgen, Rechnungen, Urkunden und Zeugnisse ebenso wie bei Briefen, Fotos oder Tagebüchern um Dokumente.

Die Bedeutung eines Dokuments kann von unterschiedlicher Dauer sein. So ist ein Kassenbon über den Einkauf im Supermarkt eher vorübergehend relevant. Hingegen hat ein Vertrag über den Kauf einer Immobile üblicherweise einen dauerhaften Wert. Kennzeichnend ist außerdem, dass ein Dokument nicht zwingend langfristig aufbewahrt wird.

Archivalie

Eine Archivalie ist ein Dokument. Bestimmendes Merkmal ist ihre dauerhafte Bedeutung. Diese kann z. B. historisch, rechtlich oder persönlich bedingt sein.

Aufgrund ihrer besonderen Wertigkeit wird eine Archivalie systematisch und meist über einen langen Zeitraum aufbewahrt. Etwa zum Zwecke der Beweissicherung, der Nachvollziehbarkeit bestimmter Umstände und Prozesse oder zwecks wissenschaftlicher Forschung sowie persönlichem Interesse.

Darüber hinaus gilt es, Archivalien in ihrer Originalität zu erhalten und zu bewahren. Dies geschieht in öffentlichen Archiven (z. B. städtische Archive) oder privaten Archiven (z. B. Familienarchive).

Private Archivalien

Als private Archivalien werden die bezeichnet, die sich in privatem Besitz einer Person, Familie oder einer privaten Organisation befinden. Das heißt, dass sie in der Regel nicht öffentlich zugänglich sind.

Oft haben sie persönlichen Charakter: etwa Briefe, Tage- oder Notizbücher. Aber auch amtliche Dokumente wie Geburts- oder Sterbeurkunde gehören dazu, wenn sie privat aufbewahrt werden.

Für ihre Besitzer- und Besitzerinnen sind sie meist von großem genealogischem, persönlichem und historischem Wert. Vor allem, wenn sie wichtige Informationen und Daten enthalten. Zum Beispiel zur Familie- oder Firmengeschichte, zur Kultur- oder Sozialgeschichte.

Lebenserinnerungen und Lebensgeschichte – private Archivalien

Hat ein Familienmitglied etwa seine Lebenserinnerungen in einer losen Blättersammlung oder beispielsweise seine Lebensgeschichte in einer Kladde festgehalten, werden auch diese Aufzeichnungen zu privaten Archivalien. Nämlich dann, wenn die betreffende Person selbst oder ihre Angehörigen sie dauerhaft aufbewahren, da sie eine Bedeutung für die Familie haben.

Auf Theorie folgt Praxis

Nach der Theorie wünsche ich Ihnen, lieber Leser und liebe Leserin, viel Freude in der Praxis: beim Entdecken, Lesen und Erforschen von Lebenserinnerungen und Lebensgeschichten, Dokumenten und Archivalien!

Mögen Sie dadurch interessante Informationen, spannende Erkenntnisse und einen neuen Blick gewinnen – zum Beispiel auf Ihre Familiengeschichte.

Wünschen Sie sich auf Ihrem Weg Begleitung? Dann sprechen Sie mich gerne an.

Und schließlich …

… freue mich, wenn dieser Artikel Ihnen hilft, die Welt der Erinnerungen, Dokumente und Archivalien noch besser zu verstehen.

Ihre Kirsten Ulrike Maaß

 

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